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Fünf Stunden und zwanzig Minuten später…

Gran Canaria (Image by Nina Wassermann)
Gran Canaria (Image by Nina Wassermann)

Es war einmal…

…eine äußerst nervöse und traurige junge Frau, die in wenigen Tagen ihre Heimat verlassen wird. Die wundervollen Berge und die Vertrautheit wird sie hinter sich lassen. Ihre große Liebe, ihre Familie und die Sicherheit werden verschwunden sein. Das unerwartete Abenteuer macht ihr Angst. Viele Fragen gehen ihr durch den Kopf. Wo wird ihr neues zuhause sein? Wie wird sie sich verständigen? Auf welche Menschen wird sie treffen?

Trotz allem versuchte sie sich positiv auf die neuen Umstände einzustellen und sie stieg mit den Worten „Lasset das Abenteuer beginnen!“ in das Flugzeug ein.

Fünf Stunden und zwanzig Minuten später…

…stieg sie heilfroh wieder den Boden unter den Füßen zu spüren aus dem Flugzeug aus. Ach wie aufregend die Situation doch war.

Vom Flughafen fuhr die Busnummer 60 nach Las Palmas de Gran Canaria (Hauptstadt). Übrigens hat Las Palmas die meisten Einwohner auf der Insel und ist eines von insgesamt 21 Municipios. In San Telmo angekommen, ging es weiter in die beliebte Einkaufsstraße „Av. Jose Mesa y Lopez“, in der ich wohnen durfte. Wo findest du deine Unterkunft?

  • Es gibt eine Facebook-Gruppe in der man Zimmer findet (aktuell heißt diese Gruppe: ERASMUS Students ULGPC Flats/Rooms/Pisos)
  • Website: pisocompartido.com

Achtung! Wenn du ein Zimmer gefunden hast, schreibe die Person einfach mit einer Nachricht an. Ich habe die Personen zu Beginn angerufen, was sich jedoch als sehr schwierig herausgestellt hat.

Wenn du ankommst kannst du auch eine Woche günstig in einem Hostel unterkommen oder ein günstiges Zimmer buchen. Ich habe mich zu Beginn sehr gestresst, um eine Unterkunft zu finden, jedoch war der Stress nicht notwendig. Es gibt genügend Unterkünfte, das Wichtigste ist aber, dass du ein Zimmer findest, indem du dich wohl fühlst.

Der erste Tag an der Universität…

…war äußerst verwirrend. Einige „wichtige Personen“ haben die StudentInnen über das Studium und die Universität informiert. Der gesamte Vortrag war auf Spanisch. Weshalb ich dir wirklich ans Herz lege, schon in Österreich intensiv Kontakt mit der spanischen Sprache aufzunehmen. Sehr wenige Personen in Spanien sprechen Englisch, weshalb sich die Kommunikation als sehr schwierig herausgestellt hat. An der Universität sollte man sich wirklich auf die Beine stellen. Wenn irgendetwas unklar ist, frage einfach nach. Ich habe das Buddy Programm genutzt und mir hat es wirklich sehr geholfen. Meine Betreuerin hat mir mit den Fächern geholfen, denn das Learning Agreement hat sich vollkommen geändert. Sie hat mir Tipps gegeben, um mich besser auf der Universität zurechtfinden zu können und mich allgemein über Gran Canaria informiert.

Ich habe mich in einen Kunstkurs eingeschrieben. Als ich in der ersten Stunde dort war bin ich sofort auf Widerstand gestoßen. Die Lehrperson meinte, wenn man nicht ausreichend Spanisch spricht, würde man den Kurs wohl nicht bestehen können. Daraufhin habe ich nach einem neuen Kurs gesucht. Da es bereits Mitte Oktober war und die Kurse schon begonnen haben, war das gar nicht so einfach. Ich habe mich mit Heiko und Elisa Ramon (zuständig für die ErasmusstudentInnen in der Universidad Obelisco) in Verbindung gesetzt. Wir haben dann eine passende Lösung gefunden. Somit war ich in einem zweiten Englischkurs und einem Informatikkurs inskribiert. Folgende Fächer habe ich in Gran Canaria besucht:

  • ESPANOL LENGUA EXTRANJERA A2: Anfangs habe ich wenig verstanden, da der Professor seine Stunden etwas verwirrend aufgebaut hatte. Die Abschlussprüfung war sehr schwer. Teilweise waren sogar Bereiche im Test die wir in der Stunde noch gar nicht durchgegangen sind.

 

  • COMUNICACIÓN ORAL Y ESCRITA INGLES PARA EL DESARROLLO PROFESIONAL: Der Kurs hat mir die Angst vor dem Sprechen in Englisch genommen. Das Niveau ist im Allgemeinen nicht sonderlich hoch, trotzdem hat der Professor jede Studentin und jeden Studenten individuell gefördert. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Zusätzlich haben wir während des Semesters Aufgaben abgegeben, ein Buch gelesen und präsentiert und einmal eine Minute über ein Thema (freie Themenwahl im Bereich Education) gesprochen.

 

 

  • RECURSOS INFORMÁTICOS PARA MATEMÁTICAS DE EDUCACIÓN PRIMARIA I: Eigentlich gibt es in diesem Kurs keine Anwesenheitspflicht. Auf der Moodle Learning Platform stehen alle Informationen über die Arbeitsaufträge bereit. Der Professor konnte uns bei Unklarheiten Erklärungen in Englisch anbieten. Am Ende gibt es keine Prüfung.

 

Die ersten Tage in der Praxisvolksschule…

…haben mir gezeigt in welcher Art und Weise ich einmal nicht unterrichten möchte. Die Unterrichtsmethoden waren sehr veraltet. An der Tagesordnung stand „Frontalunterricht“. „Learning by doing“ oder „Active learning“ gab es hier nicht. Nur leises Atmen und Zuhören war erlaubt. Zwischen der ersten und dritten Stunde gab es keine Pause. Danach folgte eine dreißigminütige Pause, die jenen Schülerinnen und Schülern gestrichen wurden, welche nach drei Stunden nicht im Stande waren zuzuhören und in den ersten drei Stunden Unruhe stifteten. Dann mussten die Kinder vor dem Lehrerzimmer sitzen und warten bis die Pause zu Ende war. Nach dem Ende der sechsten Stunde gingen die Schülerinnen und Schüler mit aufgestauter Energie nachhause. In Österreich gibt es stets nach fünfzig Minuten eine fünf bis zehn minütige Pause.

In Österreich versucht man mit den Kindern wertschätzend und respektvoll zu sprechen. Wenn eine Schülerin oder ein Schüler der Lehrperson in Spanien nicht gehorchte, wurde geschrien.

In der Schule war ein Kindergarten integriert, in diesem ich auch einige Stunden hospitieren durfte. Auch hier waren die Erziehungsmethoden eher aus der Steinzeit. Ein Kind wollte ihr Buch, dass ihr aufgetragen wurde, nicht lesen, stattdessen hat sie das Buch von der einen Ecke in die nächste geschoben. Als die Erzieherin die Situation erkannte entriss sie dem Kind das Buch und das Kind schrie. 45 Minuten später schrie das weinende Kind noch immer und saß alleine in der Ecke.

Erschreckend? Aber leider wahr!

Eckdaten:

  • CEIP Las Canteras (öffentliche Schule)
  • Adresse: Calle Américo Vespucio, 39, 35009 Palmas de Gran Canaria (las), Las Palmas, Spanien
  • Telefon: +34 928 46 95 35

Reflexion

Ich bin sehr froh über meine Erfahrungen, die ich im Ausland sammeln durfte. Zwar bin ich nach jedem Praxistag mit Kopfschmerzen und Bauchweh nachhause gegangen und war froh, dass das Praktikum nur fünf Wochen gedauert hat, aber jetzt weiß ich, dass unser System in Österreich wirklich nicht schlecht ist. Wir meckern hier auf höchstem Niveau! Mir persönlich sind die Schülerinnen und Schüler sehr ans Herz gewachsen und in solchen Momenten wurde mir bewusst, welch verantwortungsvolle Rolle wir als Lehrpersonen haben und wie vieles wir in den Schülerinnen und Schülern zerstören können. Vor dem Mathematikunterricht hatte die ganze Klasse Angst, da die Lehrperson solchen Druck ausübte und streng war. Kein Kind hat das Fach Mathematik gemocht.

Ein positiver Nebeneffekt des fünfwöchigen Praktikums war, dass ich mich durch das ständige Zuhören in der spanischen Sprache verbessern konnte. Mein Vokabular wurde mit jedem Tag mit neuen Wörtern gefüllt und ich bekam ein unglaublich tolles Gefühl für die Sprache. Zusätzlich habe ich gesehen, dass unser System in Österreich im Vergleich doch nicht so schlecht ist.

 

Die Canaria…

…sind offene, lebensfrohe und herzliche Menschen. Wahrscheinlich nicht alle, aber die die ich kennengelernt habe auf jeden Fall.

…begrüßen sich mit Küsschen auf die Wangen. Nicht nur kaltes Händeschütteln!

…werfen das Toilettenpapier NICHT! in die Toilette, sondern in einen Mülleimer der daneben platziert ist.

…sind gemütliche Menschen, die sehr gerne lange schlafen und die Nächte gerne im wachen Zustand verbringen. Um die Mittagszeit gibt es die sogenannte „Siesta“ (Mittagsschlaf).

…finden immer einen Anlass zum Feiern.

…kommen mindestens zehn Minuten zu spät. Man übt sich dadurch wirklich in Geduld. Auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel ist natürlich kein Verlass. Wenn du einen wichtigen Termin hast einfach einen oder besser zwei Busse davor einplanen.

…sprechen anders als am Festland. Statt „patatas“ wird zum Beispiel „papas“ gesagt (Kartoffel). Zusätzlich wird das /z/ wie ein normales „s“ ausgesprochen. Und wenn ein Satz mit „s“ endet, wie zum Beispiel „Gracias“, sagen die Canaria „Gracia + einen Lufthauch“.

…essen vor dem Hauptgang gerne Brot. Das Brot ist manchmal sehr hart. Einfach zusammenklatschen und die Brotkrümel essen. Das Brot ist nicht alt, man nennt das Esskultur.

…essen gerne spanische Tortillas und Papas Arrugadas.

…spielen gerne Lotto. Am Tag nach Weihnachten oder Neujahr wird ferngesehen, um zu sehen ob man gewonnen hat. Ein Los kostet jedoch stolze 20 €.

…feiern den 6. Jänner mehr als den 24. Dezember. Da gibt es dann auch die großen Geschenke.

…haben einen engen Familienzusammenhalt.

…wohnen lange im „Hotel Mama“. Das liegt daran, dass es wenig Arbeit gibt und die Kinder erst spät unabhängig werden können. Aufgrund dessen gibt es auch sehr viele Arbeitslose und Obdachlose.

…machen gerne Komplimente und sagen dir wie sie über die Situation/dich denken.

…machen gerne Sport. Jeden Morgen kann man viele Menschen beobachten die am Strand entlang walken, joggen oder an den Geräten trainieren.

 

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