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Lehrerbildung muss internationaler werden. (DAAD-Fachkonferenz)

International teacher (CC BY-SA 2.0) russavia
International Teacher (CC BY-SA 2.0) russavia

Resolution zur Internationalisierung der Lehramtsausbildung
Bonn, 11.11.2013. Auf Einladung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) kamen am 8. November 2013 150 Fachleute in Berlin zu einer Konferenz zusammen, um über die Internationalisierung der Lehrerbildung zu diskutieren.

Mit der folgenden Resolution wenden sich die 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung an die Fachministerien der künftigen Bundesregierung und die Landesministerien für die Schulen und Hochschulen, die Hochschulleitungen, die Kultusministerkonferenz (KMK), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und den DAAD:

Berücksichtigen Sie die dringend nötige Internationalisierung der Lehramtsausbildung!

Als Expertinnen und Experten für die Lehramtsausbildung an den Hochschulen wenden wir uns an die Regierungen von Bund und Ländern. Für zukünftige Generationen von Lehrerinnen und Lehrern werden internationale Erfahrungen und interkulturelle Kompetenzen unabdingbar sein, um die Diversität in Klassenzimmern nutzen zu können, andere Lernkulturen und -konzepte kennenzulernen und als Vorbilder für grenzüberschreitendes Lernen zu dienen. Dafür sind die Bedingungen in der Lehramtsausbildung heute nicht gegeben: Die internationale Mobilität der Lehramtsstudierenden liegt nach bisherigen Erkenntnissen unter dem Durchschnitt der Studierenden und die internationale Ausrichtung von Forschung und Lehre in der Lehramtsausbildung ist wenig ausgeprägt. Daher bitten wir dringend um sichtbare Signale der Politik:

  1. Mobilitätsfenster sind in den Lehramtsstudiengängen angesichts der modularisierten Struktur und der ”Versäulung” in mehrere Fachstudien, Fachdidaktiken und bildungswissenschaftliche Anteile nur sehr schwer zu ermöglichen oder können gar nicht realisiert werden. Die staatlich gesetzten Anforderungen müssen bei allen Reformen vereinfacht statt ausdifferenziert werden, wenn Studienaufenthalte im Ausland ermöglicht werden sollen.
  2. Praxisphasen im Studium werden z.B. durch die Einführung von Praxissemestern und durch Anforderungen an die Verzahnung von Theorie und Praxis aktuell komplexer gestaltet. Dabei muss für jede Praxisphase ermöglicht werden, dass sie auch im Ausland erbracht werden kann – und nicht nur an deutschen Auslandsschulen. Staatliche Regelungen und Förderstrukturen (wie z.B. Mindestaufenthaltsdauer im BAFöG) müssen entsprechend flexibilisiert werden.
  3. Für Lehramtsstudierende gibt es aktuell kaum Anreize oder Verpflichtungen, internationale Erfahrungen zu sammeln. Der sich weltweit vollziehende Kulturwandel (‚global citizenship‘) macht eine Stärkung von Auslandserfahrungen sowie den Erwerb von interkulturellen Kompetenzen notwendig. Dies muss den Studierenden signalisiert werden. Die in einigen Bundesländern bestehenden Regelungen, zumindest für die Studienfächer der modernen Fremdsprachen Aufenthalte im betreffenden Ausland bis zum Studienabschluss nachzuweisen, müssen bundesweit Standard werden.
  4. Ebenso müssen aber auch positive Anreize für die Studierenden gesetzt werden: Erleichterungen für den Zugang zum Masterstudium, Vorbereitungsdienst oder bei der Einstellung in den Schuldienst (wie sie z.B. für Eltern oder Pflegeverpflichtete bestehen) sollten eine internationale und interkulturelle Erfahrung belohnen.
  5. Es wäre falsch, mit Maßnahmen nur an den kommenden Generationen von Lehrerinnen und Lehrern anzusetzen – insofern müssen auch die heute tätigen Lehrerinnen und Lehrern über Weiterbildungsmaßnahmen und Auslandsangebote in Verbindung mit den Hochschulen beteiligt werden.
  6. Internationalisierung ist keine Einbahnstraße, und so müssen auch die ‚Incoming‘-Lehramtsstudierenden als spezielle Gruppe an den gastgebenden Hochschulen identifiziert und gefördert werden. Zusammen mit der gezielten Einladung von Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern bieten sie die Chance, die Schul- und Ausbildungssysteme anderer Länder kennenzulernen und für die Weiterentwicklung des deutschen Schulsystems zu nutzen. Desweiteren muss von politischer Seite sichergestellt werden, dass für Incomings auch Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten bestehen, um den Unterricht als Lehrerinnen und Lehrer zu bereichern.
  7. Die Hochschulen müssen ihrer Verpflichtung nachkommen, ihrerseits Mobilitätsfenster und internationale Strukturen (”Internationalisation@Home”) in die Lehramtsstudiengänge einzubauen sowie Kooperationen mit ausländischen Partnern zu unterstützen. Angesichts der höheren Komplexität der Lehramtsstudiengänge („Verbundstudiengänge“) bedarf dies Ressourcen an (Arbeits-)Zeit und Geld, die kaum vorhanden sind. Auch hier ist die Politik gefordert, durch entsprechende Fördermaßnahmen Anreize und Ressourcen bereitzustellen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DAAD-Fachkonferenz ”Internationalisierung der Lehrerbildung” – Berlin am 08.11.2013

Kontakt
Anke Sobieraj
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 0228 / 882-454, Fax: 0228 / 882-659
Mail: presse@daad.de, www.daad.de
Kennedyallee 50, D – 53175 Bonn

Quelle
https://www.daad.de/portrait/presse/pressemitteilungen/2013/25141.de.html

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