Loading…

Reisebericht mit Lehrlingen der T1C und Z1C nach Frankreich

Die Busreise mit 28 Lehrlingen (21 Tischler/innen und 7 Zimmerer, erstes Lehrjahr) dauerte von Mittwochnachmittag, 10. April bis Samstagabend, 13. April 2019. Zwei Übernachtungen in Straßburg und eine Übernachtung in Verdun. Motivation meinerseits, diese spezielle Reise nach Frankreich zu organisieren, ist die Wahl zum Europaparlament am Sonntag, 26. Mai 2019 und die Wahrnehmung der Europäischen Union als Friedensprojekt.

Das erste Reiseziel war am Donnerstag, 11. April 2019 die Gedenkstätte Elsass-Mosel-Gedenkstätte in Schirmeck. Auf 3.000 m² Ausstellungsfläche erhielt man eine umfassende Information über den Zeitraum zwischen 1870 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges dieser hin und hergerissenen Region. Da die deutsch-französische Versöhnung einen wesentlichen Beitrag zur Gründung der Europäischen Union bildete, sind im Mémorial auch die Grundlagen dazu erläutert.

Als Berufsschullehrer verlange ich gerne von meinen Lehrlingen ein Feedback über das Wahrgenommene und Erlebte zu verschriftlichen.

Lehrling Felix schrieb: „Das Mémorial in Schirmeck gab einen sehr deutlichen Einblick in die Geschichte des Elsass zwischen den zwei Nationen. Mit eindrücklichen Bildern und Ausstellungsstücken wurden einerseits die Leiden der Bewohner und die Grausamkeit bzw. der Fanatismus der Nazi-Regierung klar gemacht. Ein berührender Ort, der ganz klar die Perspektive auf ein vereinigtes, friedliches und farbenfrohes Europa gibt. Für dieses Europa tragen wir alle die Verantwortung!“

Lehrling Wendelin schrieb:„Die Tour war eine tolle, interessante, informative und wertvolle Erfahrung. Man hat einen guten Eindruck der Situation der Einheimischen bekommen. Der Aufbau, Ablauf und technische Einflüsse erzeugten eine seltsame Atmosphäre. Mich versetzte das noch mehr in die schreckliche Lage der Menschen. Eine teilnahmslose Aufnahme der Interpretationen war dadurch für mich nicht möglich. Die Darstellung verschiedener Kriege und ihren Einfluss auf eine bestimmte Region und Volksgruppe war mal eine andere Art, etwas über die Geschichte zu lernen. Besuche solcher Gedenkstätten halte ich für sehr wichtig und wertvoll. Es bringt einen dazu, sich mit der Vergangenheit und Geschichte auseinanderzusetzen.“

Ein weiteres Highlight am Donnerstagnachmittag war der Besuch des sehr imposanten Europaparlaments in Straßburg mit einer Gruppenführung. Es wurde auch klar von der Führerin formuliert, dass es absolut wichtig ist, zur Wahl des Europaparlaments im Mai 2019 zu gehen.

Lehrling Wendelin schrieb:Die Führung war sehr angenehm. Es war eine gute Auffrischung von wichtigen Informationen. Es wurde einem nochmal klar, für was die EU steht, was sie bewirkt und dass die Politik auf EU-Ebene doch für jeden Bürger wichtig ist.“

Lehrling Maximilian schrieb: „Es war sehr lehrreich, da man einen Blick ins Parlament werfen konnte und es ein sehr großes, beeindruckendes Gebäude ist. Weiters hörten wir viele Informationen über das Parlament, die sehr wichtig sind, um wählen zu gehen und um die Prozesse hinter der „EU“ besser zu verstehen.“

Lehrling Marco schrieb: „Nach dem Besuch finde ich die EU nicht mehr so nutzlos wie zuvor.“

Am Donnerstagabend ging es dann noch zu einem üppigen Essen in das romantische Kellergewölbe des Restaurants „Gurtlerhoft“ in Straßburg.

Am Freitag, 12. April 2019 fuhren wir weiter nach Verdun, um das Mémorial de Verdun und das Schlachtfeld zu sehen. Die Schlacht um Verdun war eine der grausamsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkrieges an der Westfront zwischen Deutschland und Frankreich. Sie begann am 21. Februar 1916 mit einem Angriff deutscher Truppen auf die französische Stadt Verdun und ihre Befestigungen und endete am 19. Dezember 1916 ohne eine wesentliche Verschiebung des Frontverlaufs.

Das Erdgeschoss der Gedenkstätte ist der Erfahrung der Soldaten an der Front gewidmet. Im ersten Stock entdecken die Besucher die Umgebung der Schlacht und die Hintergründe in den kriegsbeteiligten Staaten. Das Schlachtfeld lässt sich danach von den Terrassen des obersten Stocks aus erkunden. Die Besucher können dort die Spuren der Schlacht in der umgebenden Landschaft entdecken.

Lehrling Wendelin schrieb: „In der Schule behandelt man die Kriege meist ja sehr ausführlich und auch von verschiedenen Gesichtspunkten. Aber sich vor Ort mit dem Ablauf und Auswirkungen auseinander zu setzen, hat nochmals eine ganz andere Wirkung. Die Bilder und Zahlen von den vielen Gefallenen und Verletzten, von der Zerstörung und Brutalität führten mir nochmals vor Augen, wie wichtig es ist, die Geschichte nicht zu verdrängen. Wenn man überlegt, dass ein Großteil der Soldaten im selben Alter war, wie wir jetzt, wird einem bewusst, in was für einer heilen Welt wir leben und dass es an uns liegt, dass es so bleibt!“

Lehrling Marco schrieb: „Der Besuch hat mir zum Denken gegeben und ging mir sehr nahe. Wir können froh sein, nicht im Krieg zu leben.“

Lehrling Bettina schrieb: „Ich fand es sehr bewegend und es hat mich persönlich berührt, da meine Großväter auch im Krieg waren. Es ist nahezu unvorstellbar, dass sich erst vor kurzer Zeit etwas so schreckliches abgespielt hat. Die Gedenkstätte wurde würdevoll gestaltet und umgesetzt.“

Lehrling Damian schrieb: „Es war sehr interessant und berührend. Jetzt habe ich eine andere Sichtweise auf das Leben.“

Nach dem Besuch des Mémorial von Verdun sind wir noch zum naheliegenden Beinhaus von Douaumont gefahren. Einige Lehrlinge erklommen noch den 46 Meter hohen „Turm der Toten“ des Beinhauses von Douaumont, um Schlachtfeld und den Soldatenfriedhof von oben anzuschauen.

Vor dem Beinhaus erstreckt sich der riesige nationale Soldatenfriedhof, auf dem über 16 000 französische Soldaten begraben sind.

Auf diesem französischen Soldatenfriedhof trafen sich am 22. September 1984 zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Völker der französische Staatspräsident und der deutsche Bundeskanzler. Sie legten im gemeinsamen Gedenken an die Toten beider Weltkriege Kränze nieder und erklärten:

„Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“ François Mitterrand und Helmut Kohl

Lehrling Martin schrieb: „Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Musste so etwas sein? Mussten für Land so viele Menschen sterben? Ich fand es traurig.“

Am Samstag, 13. November 2019 ging es wieder retour von Verdun via Schwarzwald nach Dornbirn. Es wurde noch ein Zwischenstopp bei der Synagoge von Delme gemacht.

Ich denke, jeder mitgereiste Lehrling dieser Spezialreise ist mit vielen neuen Eindrücken wieder im Ländle angekommen. Danach wurde das Jahreszeugnis an meine Lehrlinge der T1C der LBS Dornbirn 1 verliehen.

Wie heißt es so schön: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“

Als Berufsschullehrer verleihe ich der Hoffnung Ausdruck, dass der eine oder andere Lehrling ermuntert wurde, zur Wahl des Europaparlaments am 26. Mai 2019 zu gehen, um das aktive Wahlrecht zu nutzen. Es sollte uns bewusst sein, dass das gemeinsame Haus Europa den Frieden sichert.

Christoph Rinderer, BEd

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.