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Rückblick auf mein Austauschsemester in Graz, Fabienne Nufer (CH)

Fabienne (Foto von Michèle Dekker)
Fabienne (Foto von Michèle Dekker)

Im September 2014 machte ich mich auf den Weg nach Graz und hatte nicht nur unzählige Kleider, Skis und Schulmaterialien im Gepäck, sondern auch die Hoffnung, dass ich mir bewusst werde, was ich im Leben will.Damals war ich 20 Jahre alt, studierte bereits seit einem Jahr an der Pädagogischen Hochschule in Luzern und nahm nun das dritte Semester an der Pädagogischen Hochschule Steiermark auf. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur, dass ich unbedingt ein Auslandssemester absolvieren will, um dabei von der gewohnten Umgebung auszubrechen. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich eigentlich Lehrerin werden möchte oder doch lieber einen neuen Start wagen soll.

Die ersten Tage in Graz waren nicht immer einfach, ich kannte niemanden, musste viel organisieren und die meisten Studenten waren noch in den Semesterferien. Sprich, es war sehr ruhig.

Diese Ruhe wich schon bald, Studenten belebten die Stadt und ich machte erste Bekanntschaften, einige davon begleiteten mich durch das ganze Semester und halfen mir in meinem Entscheidungen wesentlich mit.

An der Pädagogischen Hochschule Steiermark wurden wir Incomings am Einführungstag offiziell begrüßt und man fühlte sich gleich Willkommen. Unterstützend wurden uns die Buddies Bibi und Viki zur Seite gestellt. Langeweile kannte ich von diesem Tag an nicht mehr. Unter anderem auch, weil Valentina aus Ungarn unter den neuen Ankommenden war, mit welcher ich bis heute eine enge Freundschaft pflege. Viele weitere Begegnungen folgten im Verlauf des Semesters.

Das ist eine Seite des Erasmusprogramms, es entstehen Freundschaften mit Leuten, die man sonst kaum getroffen hätte.

Obwohl ich mich sehr wohl fühlte, gute Leute um mich hatte, großartig durch das International Office unterstützt wurde, ein interessantes Praktikum an der Praxisschule absolvieren konnte und lehrreiche Fächer belegte, wichen meine Zweifel, welche ich mit nach Graz brachte, nicht.

So absolvierte ich parallel zum Studium auf Coursera Onlinekurse zu anderen Fächern, um herauszufinden, was ich wirklich will. Ich verbrachte dabei viel Zeit in der Bibliothek an der Karl Franzens Universität. Des Öfteren schielte ich dabei auf die Rechtsbücher in den Regalen.

„Ist es das was ich will?“, fragte ich mich zu diesem Zeitpunkt.

Das neue Umfeld, die neuen Freundschaften, die neuen Hobbys, die neue Stadt, all das half mir, außerhalb des Gewohnten zu denken und mich neu zu entdecken.

Noch während des Austauschs fällte ich daher den  Entscheid, dass Studium an der PH abzubrechen. Ich schrieb dem International Office in Luzern, welche überrascht waren. Meine Eltern unterstützen mich zum Glück immer dabei. Zurück in der Schweiz, arbeitete ich für einige Monate, besuchte Vorlesungen an der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Luzern und fällte den definitiven Entscheid mich bei dieser Fakultät einzuschreiben. Mittlerweile studiere ich im 4. Semester Recht an der Universität Luzern und bin froh den Wechsel gewagt zu haben. Nebenbei engagiere ich mich in zwei international ausgerichteten Vorständen, nehme an Konferenzen auf der ganzen Welt teil und reise viel, auch so oft es geht nach Graz. Gerade eben sitze ich wieder im Zug nach vier Tagen Aufenthalt in der zweitgrößten Stadt Österreichs. Denn trotz des Studienwechsels war das Austauschsemester das Beste, was mir passieren konnte. Es hat mir nicht in meinem bisherigen Studium geholfen, aber umso mehr mir als Person.

Auch dass kann Erasmus sein, eine neue Richtung im Leben zu finden.

Fabienne Nufer

12. Februar 2017

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