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Straßburg – 5 Monate in der Hauptstadt Europas (written by Sarah Wurm)

Straßburg (Foto: Sarah Wurm)

Ich hatte keine Schwierigkeiten mein Gastland für mein Auslandssemester zu finden. Trotz 4 Jahren Französischunterricht und großem Interesse für die Kultur des Landes, konnte ich nie eine starke Bindung zur Sprache selbst herstellen.

Obwohl ich wusste, dass ein ganzes Semester in rein französischsprachigem Unterricht eine Herausforderung für mich sein würde, beschloss ich mich dennoch dazu meinem Traum zu folgen eine Zeit lang in Frankreich zu leben.

Die Unterkunft

Da meine Anmeldung auf der Universität etwas länger dauerte als geplant, war es mir leider nicht mehr möglich eine Unterkunft des sogenannten CROUS, den von der Universität unterstützten Studentenheimen, in Anspruch zu nehmen. Auch so empfand ich es für ausländische Studierende nicht einfach einen Platz in einer WG zu finden, also beschloss ich mich auf die französische Version von willhaben zu begeben. Dort fand ich eine Dame, die ein Zimmer bei sich frei hatte und nach einer Mitbewohnerin suchte. Nach ein paar Gesprächen entschied ich mich dazu bei ihr einzuziehen und war glücklich darüber, sogar bei einer Einheimischen wohnen zu können. Die Lage war zwar nicht perfekt, aber zu diesem Zeitpunkt war ich einfach zufrieden ein zuhause gefunden zu haben. Ich hatte schließlich die Möglichkeit umzuziehen, wenn es mir nicht passen sollte. Schlussendlich blieb ich das ganze Semester über in dieser WG mit meiner Vermieterin und einer zweiten Studentin aus Metz.

Die Universität

Ich besuchte die Université de Strasbourg von Anfang September bis Mitte Jänner. Sie ist in unterschiedliche Fakultäten unterteilt, die sich auf verschiedene Campus befinden. Zu Beginn des Semesters hieß meine Fakultät ESPE, école supérieure du professorat et de l’éducation, doch aufgrund einer Namensänderung, wird sie nun auch INSPE genannt, was für manche Menschen etwas verwirrend ist. Das INSPE befindet sich auf dem Campus Meinau, einem der kleineren Campus der Universität, doch Lehrveranstaltungen fanden für uns auch an anderen Standorten statt, da die verschiedenen Fakultäten zusammenarbeiten.

Ich belegte alle Kurse des ersten Semesters mit Ausnahme von einem, da sich diese Kurse mit denen in meinem normalen Curriculum ein wenig überschnitten und das die beste Option für mich war, da es sonst schwer war Kurse zu finden, die sich nicht zeitlich in den Weg kamen. Weiters belegte ich auf einer anderen Fakultät einen Französisch-Kurs, der Auslandsstudenten für 3 ECTs angerechnet werden kann.  Meine Kurse auf dem INSPE beschäftigten sich mit Entwicklungspsychologie, Medien in Bildung, verschiedensten Grundlagen der Bildung, der Geschichte des französischen Bildungswesens, dem Vergleich von Bildungssystemen weltweit sowie einer lebenden Fremdsprache, bei welcher ich Englisch wählte.

Die Lehrveranstaltungen waren alle auf Französisch bis auf den Fremdsprachenunterricht und obwohl mir das vor allem Anfangs Probleme bereitete, waren sowohl die Lehrkräfte als auch andere Mitstudierente stehts bereit, mir zu helfen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. In Momenten wie diesen fiel mir besonders auf wie mehrsprachig diese Stadt und ihre Menschen sind, denn ab und zu wurde ich in den Lehrveranstaltungen auf Deutsch oder Englisch angesprochen oder wurde gebeten, dieses oder jenes Wort aus reinem Interesse des Lehrenden auf Deutsch zu übersetzen. Schließlich spricht in Elsass ein Großteil Deutsch.

Straßburg (Foto: Sarah Wurm)
Die Stadt

Straßburg selbst ist kleiner als Graz mit derselben Anzahl an Einwohnern. Die Stadt liegt in Elsass und ist sehr reich an Geschichte und vor allem in dem Viertel La Petite France ist diese sehr gut ersichtlich. Dieses Viertel befindet sich auf, was ich nenne, einer Insel inmitten der Stadt. Obwohl dieser Teil mit den Verkehrsmitteln nicht unbedingt leicht erkundbar ist, ist er dennoch stets belebt, egal zu welcher Jahreszeit. Im Sommer und Herbst tummeln sich die Touristen und Bewohner der Stadt in den engen Straßen der Innenstadt und im Winter sieht man ab der Adventszeit Weihnachtsmärkte soweit das Auge reicht. Straßburg ist im Winter als Reiseziel besonders beliebt, auch von Franzosen, doch auch in anderen Jahreszeiten gibt es so viel Sehenswertes zu finden. Als Student bekommt man an so vielen Orten Rabatt oder sogar gratis Eintritt, dass das Erkunden der Stadt und Erfahren der Kultur leichtfällt.

Die ersten Wochen

Ich entschied mich schon 2 bis 3 Wochen vor Beginn des Semesters nach Frankreich zu reisen, um Freunde in Paris und Straßburg zu besuchen bevor der Stress des Semesters begann. Als dann Anfang September kam, wurden wir zu einem Welcome Day eingeladen, der für alle internationalen Studenten und Studentinnen organisiert wurde. Er diente zum besseren Kennenlernen von einander und der Stadt, obwohl ich persönlich durch meinen längeren Aufenthalt in der Stadt mich bereits ein wenig zurechtfand. An diesem Tag fand ich schnell Freunde, die das ganze Semester über und auch jetzt nach dem Auslandssemester ein wichtiger Bestandteil meines Lebens waren und wurden. Als der Tag um 17 Uhr mit einem Buffet endete, war ich mir bereits sicher, dass ich dieses Semester nicht allein sein werde und gute Freunde für die Zukunft gefunden habe.

Während die Lehrveranstaltungen für die „regulären“ Studenten bereits am ersten Montag von September begann, fingen für uns internationale Studenten die Lehrveranstaltungen erst mit Mittwoch an, vermutlich um uns einen angenehmeren und weniger stressvollen Beginn ins Semester zu erlauben.

Die Schulpraxis

Zu Ende meines Auslandssemester hatte ich die Möglichkeit meine Schulpraxis an einer Europäischen Schule abzuhalten. Europäische Schulen gibt es in nur ein paar Ländern und haben als Ziel, ihre Schüler, die meist Kinder von Arbeitskräften sind, die im Europäischen Parlament, Europäischen Kommission u.Ä. tätig sind, in Französisch, Englisch und Deutsch zu unterrichten, dabei aber den Klassenunterricht in der jeweiligen Sprache am System des jeweiligen Landes zu orientieren. So führte ich meine Praxis in einer zweiten Deutschklasse durch, bei der Unterricht ziemlich ähnlich jenem ablief, der mir von zuhause bekannt war. Jedoch konnte ich auch durch Hospitation in den anderen Klassen einen Einblick in die Systeme des englischen und französischen Systems erhalten. Zusätzlich durfte ich bei der Präsentation von kleinen Schauspielen in den drei Sprachen zusehen.

Straßburg (Foto: Sarah Wurm)
Fazit

Ich muss zugeben, ich habe mich vielleicht etwas übernommen, was die Sprache betrifft. Trotz großer Anstrengung haben mir leider einige Französischkenntnisse gefehlt, um mein Semester so abzuschließen wie ich es mir erhofft habe. Dennoch würde ich es nicht zurücknehmen. Ich habe unglaublich viel gelernt in den Monaten, die ich in Frankreich gelebt habe. Das betrifft sowohl meine Ausbildung, mein Französisch und auch mich selbst. Straßburg ist und bleibt Teil meines Lebens, der mir viel gelehrt hat. Es war faszinierend, wie schnell ich mich an die Sprache um mich herum im Alltag gewöhnt habe. Das wurde mir erst bewusst, als ich einmal mit Freunden von zuhause telefoniert habe und ein deutsch-englisch-französischer Satz aus meinem Mund kam und ich das gar nicht wirklich merkte.

Straßburg ist ein wundervoller Ort, reich an Kultur und Vielfältigkeit. Ich bin froh, die Stadt als mein Erasmusziel gewählt zu haben.

Autorin: Sarah Wurm.

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