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„Vede Napoli e poi muore….“ – „Sieh dir Neapel an und dann kannst du sterben…“

Neapel (Foto von Bettina Jaindl)
Lungomare in Neapel mit Blick auf das Castel dell’Ovo und Vesuv (Foto von Bettina Jaindl)

Was hört man nicht alles von Neapel: Mafia, Überfälle, Taschendiebe, Müllprobleme, Lärm, Dreck, aber kommt man mit diesen „Erwartungen“ hierher wird man bitter enttäuscht werden, zumindest war es bei mir so. Eine Sache allerdings war keine Untertreibung, und das war das Chaos, welches mir gleich bei meiner Ankunft einen ordentlichen Kulturschock verpasste.

Das Leben in Neapel bzw. im Süden Italiens hat zwei Seiten, an welche man jeden Tag erinnert wird. Auf der einen Seite ist das „dolce vita“: Sommer, Sonne, Meer und Lebensfreude, und auf der anderen Seite die knallharte Realität. Neapel ist eine Stadt der Kontraste und man hat des Öfteren mit bürokratischen Schwierigkeiten (egal ob bei Behörden oder im Schulalltag) oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kämpfen, da diese einfach nicht ankommen oder man ewig auf die nächste U-Bahn warten muss, bekommt man jedoch eine gewisse „Boh“-Einstellung („Boh“ ist der italienische Ausdruck für „Was soll man machen?“) und lernt sich nicht minutenlang darüber zu ärgern, kann man hier eine sehr schöne Zeit verbringen.

Das Leben in Italien spielt sich draußen und vor allem abends ab. Man trifft sich zum „Aperitivo“ in der Stadt, geht essen oder schlendert einfach durch die Gassen. Auch beim Ausgehen am Wochenende verbringt man die meiste Zeit an der frischen Luft. Man schnappt sich ein Getränk in der nächsten Bar und steht am Piazza zusammen und tratscht. Anfangs war dies etwas gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen langweilig, aber der Vorteil ist, dass man immer wieder mit neuen Leuten ins Gespräch kommt und interessante Menschen kennenlernt. Aufgrund dieser Erlebnisse und durch die Bekanntschaft mit anderen Sprachassistenten aus England (ich war die einzige deutschsprachige Sprachassistentin in Kampanien) fand ich schnell Freunde aus aller Welt. Ich kann nun mit Stolz sagen, Freunde aus Italien, England, den USA, Guatemala und Australien zu haben, mit denen ich im Sommer auf Reisen gehe oder wir uns gegenseitig besuchen.

Auch die italienischen Mentalität und Gastfreundschaft zeigt sich immer wieder von ihrer besten Seite, sei es ein schneller „Caffè“ mit der Mentorin bevor man in die Klasse geht oder unsere heißgeliebten Sonntage bei Mario’s, dem Besitzer unserer „Stammenoteca“, der uns jede Woche aufs Neue mit köstlichen Gerichten verwöhnte.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass man für einen Umzug in den Süden Italiens schon eine relativ dicke Haut benötigt und man sich auf Situationen einstellen sollte, die ganz und gar nicht der Vorstellungen der italienischen Gastfreundschaft entsprechen, da Neapel und der Süden im Allgemeinen ein sehr hartes Pflaster sein kann. Es kommt ständig vor, dass sich ein freundlicher und nett geglaubter Kollege oder Vermieter als nicht vertrauenswürdig oder gar als Abzocker entpuppt.

Auch bei der Tätigkeit als Sprachassistentin muss man sich bewusst sein, dass es wahrscheinlich nicht so rosig ablaufen wird wie man es sich zuvor ausmalt und die Lehrkräfte oft andere Vorstellungen vom Einsatz der Sprachassistenten haben als die, wofür wir eigentlich eingesetzt werden sollten. Ich habe mich anfangs sehr darüber geärgert, dass ich immer nachmittags unterrichten musste und dass ich alleine in der Klasse mit pubertierenden Neapolitanerinnen und Neapolitanern war und keine Hilfe bei der Vorbereitung des Unterrichts hatte geschweige denn darüber aufgeklärt wurde, was die Schülerinnen und Schüler schon können bzw. gelernt haben oder nicht, es keine Druckmöglichkeiten, Computer oder Kreide gab und man um jedes Blatt Kopierpapier bitten musste, jedoch lernte ich mit der Situation umzugehen, investierte in eine Packung Kopierpapier und Kreide, und lernte zu improvisieren und nicht alles so ernst zu sehen. Darüber hinaus hilft es einem ungemein, wenn man weiß, dass man mit der Situation nicht alleine ist und es anderen genauso geht.

Mein Fazit ist, dass ich diesen Schritt jederzeit wieder gehen würde und dass ich in meiner Zeit in Neapel unheimlich viel gelernt habe, vor allem für mein weiteres Leben, nämlich entspannter zu sein und nicht alles so ernst zu sehen.

Und wer weiß, vielleicht sieht mich Neapel ja schneller wieder als gedacht…

Bettina Jaindl, Erasmus+ Praktikantin in Italien

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