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Barcelona – Mein Erasmus 2025/26

Sangria in der Hand, Sand in den Schuhen und jeden Tag ein bisschen mehr Barcelona im Herzen. Mein Auslandssemester war eine der schönsten, chaotischsten und unvergesslichsten Erfahrungen meines Lebens. Besonders die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, haben diese Zeit für mich so besonders gemacht. Dieses Gefühl von Offenheit, Herzlichkeit und Leichtigkeit lässt sich für mich am besten mit den Worten „Mi casa es su casa“ beschreiben. Genau so hat sich meine WG in Barcelona angefühlt.

Aber gehen wir zurück an den Anfang. Als ich nach Barcelona flog, hatte ich keine großen Erwartungen. Ich wusste nicht einmal, ob meine Unterkunft wirklich existiert, da die WG-Suche in Barcelona ziemlich schwierig war und man schnell auf Betrüger stoßen konnte. Gerade das machte die ganze Sache aber irgendwie auch spannend. Ich dachte mir, dass schon alles gutgehen wird – und wenn nicht, hätte ich später wenigstens eine gute Story zu erzählen. Ganz nach dem Motto: no risk, no fun.

So viel Glück, wie ich hatte, war es am Ende kein Scam, und als ich den Schlüssel zum ersten Mal in der Hand hielt, fühlte sich alles plötzlich ein Stück realer an. Schon beim ersten Betreten merkte ich, dass diese Altbauwohnung mit ihren hohen Wänden, den gemusterten Bodenfliesen und dem Kamin im Wohnzimmer etwas ganz Besonderes hatte. Trotzdem fühlte sich anfangs noch vieles leer und ungewohnt an. Erst als ich meine vier WG-Mitbewohnerinnen kennenlernte, begann sich das langsam zu ändern. Von da an wurde die Wohnung für mich mehr und mehr zu einem echten Zuhause.

Wir haben zusammen gelacht, geweint und getanzt, endlose Gespräche auf dem Balkon geführt und unvergessliche Momente miteinander erlebt. Es war jedes Mal ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ich nach Hause komme.

Auch mein geliebtes Rennrad war ein wichtiger Teil meines Erasmus, denn mit ihm konnte ich viele lange Fahrten entlang des Strandes unternehmen und Barcelona noch einmal auf eine ganz besondere Weise erleben. Auch das Uni-Leben war ganz anders, als ich es aus Österreich kannte. Natürlich mussten wir Leistung erbringen, aber durch das spanische Flair fühlte sich vieles leichter an. Nach der Uni noch gemeinsam an den Strand zu gehen, dort etwas zu erledigen und anschließend einfach zu entspannen, wurde schnell Teil unseres Alltags. Mit den Professoren konnte man auf Augenhöhe sprechen, und der Unterricht war gleichzeitig locker, spannend und interessant.

Obwohl wir vieles selbst organisieren mussten, weil die Studienabteilung nicht immer besonders strukturiert war, hat mir genau das auch viel beigebracht. Ich musste lernen, selbstständig zu planen, zu organisieren und Lösungen zu finden. Auch mein Blockpraktikum konnte ich dort eigenständig an einer spanischen Schule organisieren, was mir sehr gefallen hat. Die Menschen dort waren offen und herzlich, und auch der Unterricht war im Vergleich zum österreichischen System deutlich entspannter. Die Lehrpersonen wirkten lockerer, weniger steif und hatten sichtbar Freude am Unterrichten.

Auch an der Uni habe ich schnell meine Leute gefunden. So unterschiedliche Persönlichkeiten und doch waren wir alle auf derselben Wellenlänge und offen für Neues. Menschen aus Mexiko, Tschechien, Polen, Italien, Dänemark und Afrika – jede einzelne Begegnung hat einen Platz in meinem Herzen. Genauso wie meine Mädls aus Barcelona, die die Englischstunden zu den lustigsten überhaupt gemacht haben. Irgendwann habe ich fast nur noch Englisch gesprochen, weil es schon ganz normal geworden ist.

Gemeinsames Brunchen, Wanderungen rund um Barcelona, spontane Ausflüge irgendwo ins Nirgendwo oder lange Nächte in unserem Lieblingspub L’Ovella Negra mit Billard und Wuzzeln – all das wurde zu einem festen Teil dieser besonderen Zeit. Auch die gemeinsamen Reisen sind besondere Erfahrungen davon. Unser Trip nach Marokko mit Kamelreiten und Quad durch die Wüste, sowie auf der Ladefläche eines Trucks in der Wüste lösen jetzt noch immer Glücksgefühle aus, die ich nie missen will. Genauso war der spontane Flug nach New York auf jeden Fall eines der Highlights meines Erasmus. Auch die Läufe entlang des Strandes, vorbei an all den Palmen, waren unvergesslich und jedes Mal einfach schön. Generell hat mir Barcelona gezeigt, vieles mit anderen Augen zu sehen und das Leben mit mehr Leichtigkeit zu betrachten. Mein Erasmus hat mir beigebracht, mehr im Moment zu leben, Neues zuzulassen und nicht immer alles so schwer zu nehmen. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich Erasmus immer wieder machen würde. Wenn man aus dieser Zeit aber eines mitnehmen kann, dann, dass es vor allem die Menschen sind, die Erasmus so besonders machen. Grüße gehen raus an meine verrückten Italiener, die mir beigebracht haben, vieles noch lockerer zu sehen und das Leben einfach so zu nehmen, wie es kommt.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit den Worten meines mexikanischen Freundes: „El que tenga miedo a morir, que no nazca.“ Auf den ersten Blick vielleicht harte Worte, aber irgendwie steckt viel Wahres darin. Für mich bedeutet das, nicht zu viel nachzudenken, sondern einfach zu machen. Risiken gehören zum Leben dazu – und oft sind es genau diese Momente, die am Ende alles besonders machen.

Barcelona war für mich weit mehr als nur ein Erasmussemester. Es war eine Zeit voller Erinnerungen, voller Leichtigkeit, neuer Erfahrungen und vor allem voller Menschen, die mein Herz berührt haben. Es war eine der schönsten Zeiten meines Lebens und eine Zeit, in der ich aus mir raus gewachsen bin. Und es ist ein wunderschönes Gefühl zu wissen, dass es dort draußen Menschen gibt, die für mich wie eine zweite Familie geworden sind, von denen ich weiß, dass sie fürs Leben sind, oder wie meine Freundin Nani sagen würde, eine „Never Ending Story“.

Fotos und Text: Sophie Potzgruber